[S.A.T.T. | Ein Besuch bei der Tiertafel Essen]

Donnerstag, Oktober 27, 2016

Essenstafeln für bedürftige Menschen kennt jeder von uns. Aber wie schaut es mit Tafeln für unsere Vierbeiner aus? In einigen deutschen Großstädten wie Kiel und Berlin haben sich diese Futterstellen für Hund, Katz und Maus, deren Zweibeinern es finanziell nicht ganz so gut geht, bereits etabliert. Doch es sind viel zu wenige, wenn ihr mich fragt.
Seit gut drei Monaten gibt es nun auch in unserer Heimatstadt Essen eine Tiertafel. Und wie das funktioniert, das haben wir uns bei einem Besuch mal selbst angeschaut.

Geschäftiges Treiben herrscht bereits in der WiederbrauchBAR in der Essener Innenstadt, als ich an diesem Nachmittag dort ankomme. Ein kleines, freundliches Ladenlokal in zentraler Lage, dass einmal im Monat zur Tafel für Hunde und Katzen wird. Draußen vor der Tür werden gerade Tische für den Flohmarkt aufgestellt, drinnen bereiten die Helfer Kundenkarten vor, sortieren Nassfutterdosen und Trockenfutterrationen und stellen Waage und Kasse an ihren Platz auf der Theke. Schnell habe ich Sandra Lachmann zwischen den helfenden Händen ausgemacht, mit der ich vorher meinen Besuch abgesprochen hatte. Nach einer herzlichen Begrüßung ließ sie kurz den Trubel Trubel sein, um sich einige Minuten Zeit für die vielen Fragen zu nehmen, die ich mitgebracht hatte. Und auch die Projektmitbegründerin Trixie von der Lippe schiebt extra für mich eine kleine Pause ein.
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So werden alle SATT

Im Gegensatz zu den Tafeln für Menschen, bezieht das Team von S.A.T.T. keine Lebensmittel von Supermarkt &Co, stattdessen ist man hier auf die Hilfe der Mitbürger angewiesen, die die Tiertafel mit Futterspenden versorgen. Den ganzen Monat über fahren die Helfer mit den eigenen Autos von Privathaushalt zu Privathaushalt und von Sammelstelle zu Sammelstelle, um Dosen und Trockenfutter für die hungrigen Hunde und Katzen einzusammeln. Aber auch Sachspenden, wie Halsband, Wintermantel, Spielzeug und Kratzbaum werden dankend angenommen, um ihren Platz auf den Flohmarkttischen zu finden.

Noch ist die Essener Tiertafel ein Projekt, wie Sandra Lachmann es nennt, und kein eingetragener Verein. "Uns war es wichtig, erstmal loszulegen und anzupacken, statt lange Konzepte zu erarbeiten" erzählt sie. Als Vorbild dient die Tiertafel Bottrop, von der die beiden Initiatorinnen viele Ratschläge und Tipps auf den Weg bekamen. Die erste Futterausgabe fand nach nur drei Wochen Planung statt. Ich bin beeindruckt, aber frage mich auch, wie das funktionieren kann. Was wenn die Nachfrage größer ist, als der eingesammelte Vorrat...? Immerhin stehen dem Team keine Spendengelder zur Verfügung.
"Es wird keiner leer ausgehen" erklärt Sandra mir, "wir haben weitere Futtervorräte an verschiedenen privaten Lagerplätzen untergebracht. Und zwei Helfer stehen Gewehr bei Fuß, um diese im Bedarfsfall hier in die WiederbrauchBAR zu bringen". Doch gerade an Spezialfutter, wie Nierenfutter für kranke Katzen, mangelt es immer, verrät mir Trixie von der Lippe. Die Hundetrainerin erzählt mir, wie teuer diese Spezialnahrung ist, die sie ausschließlich vom Tierarzt bezieht. "Im Handel gibt es zwar auch spezielles Nierenfutter, aber wenn man die Inhaltsstoffe vergleicht - da liegen Welten zwischen." erklärt sie mir. Und ein krankes Tier soll schließlich auch von der Tafel die Nahrung bekommen, die es wirklich braucht. Aber nicht nur Futter für nierenkranke Katzen ist Mangelware, auch getreidefreies Futter landet für die Samtpfoten viel seltener im Spendenkorb, als für Hunde.
"Da ist uns das Cafe Mocca in Steele eine große Unterstützung" sagt Trixie sichtlich gerührt, "die sammeln Trinkgelder und Geld für die Toilettennutzung. Dann werde ich gefragt, was wir brauchen, und die gehen dann mit einer Einkaufsliste los, um unseren Vorrat aufzustocken."

Dann kommt langsam etwas Unruhe auf, die ersten Kunden betreten den Laden, Sandra wird an der Kasse gebraucht, Trixie muss beim Futter helfen - Kein Problem, denn schließlich wollte ich mich ja noch ein wenig umschauen. Und "ein wenig", das stellt sich schnell als untertrieben raus *zwinker* Knapp zwei Stunden verbringe ich zwischen den Helfern, Kunden und Hunden, inklusive Unmengen an Eindrücken, vielen interessanten Gesprächen mit tollen Menschen und natürlich der ein oder anderen Kuscheleinheit mit wunderbaren Fellnasen.

Die wichtigsten Fakten

Wer kann die Tiertafel in Anspruch nehmen?
Ob Bafög-, Hartz VI- Empfänger, Obdachlose oder Menschen mit geringer Rente, die ihre Hunde und Katzen mit Futter versorgen möchten, sind hier willkommen. Ein entsprechender Nachweis ist aber immer zwingend erforderlich.

Kostet das Futter bei der Tafel etwas?
Jeder Kunde muss einen kleinen Obulus für das Futter abgeben. Pro Hund berechnet die Tafel z. Zt. 1 Euro, pro Katze sind es 50 Cent.

Wann und wo findet die Futterausgabe statt?
Immer am dritten Mittwoch des Monats, z. Zt. in der WiederbrauchBAR, I. Weberstraße 15.

Wie läuft die Ausgabe ab und wieviel Futter darf jeder Kunde mitnehmen?
Bevor es zur allerersten Futterausgabe geht, müssen die Kunden sich erst einmal anmelden. Bei der Anmeldung erhalten sie dann eine Kundenkarte, die für künftige Besuche genutzt werden kann. Dazu ist die Vorlage des Personalausweises notwendig. Es werden Angaben über die Anzahl der Tiere und deren genaue Rassen abgefragt, denn so kann das Team nach einer Liste die entsprechende Futterration für die Hunde und Katzen bestimmen.
Die Futterration wird so bemessen, dass die Kunden vom dritten Mittwoch des Monats bis zum nächsten Monatsersten ihre Tiere versorgen können. Dies gilt für maximal drei Tiere pro Kunde.

Wie kann man die Tiertafel unterstützen?
Da die Tafel momentan vor allem durch Direktspenden funktioniert, unterstützt man das Projekt am Besten mit Dosen- und Trockenfutter für Hunde und Katzen. Aber auch Tierbedarf wie Leinen, Halsbänder, Futternäpfe, Körbchen & Co. werden gerne von den Helfern in Empfang genommen. Die Spenden könnt ihr entweder an einer der Sammelstellen [die Liste dazu findet ihr auf der S.A.T.T.-Facebookseite] und mittwochs zwischen 17-20h in der WiederbrauchBAR abgeben oder, falls ihr nicht mobil seid, bei euch Zuhause abholen lassen.
Auf der Facebookseite der Tiertafel findet ihr übrigens immer aktuelle Informationen darüber, was besonders dringend benötigt wird.
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Eine Frage, die ich an jenem Mittwoch im Gepäck hatte, wurde mir von fast jedem, mit dem ich ins Gespräch kam, beantwortet ohne dass ich sie überhaupt stellen musste: Wo soll die Reise hingehen?
Während die einen vor allem auf das hier und jetzt konzentriert sind und die Tiertafel sich selbst entwickeln lassen wollen, haben andere ganz genaue Vorstellungen, wie die Zukunft ausschauen soll. Eine Anlaufstelle und ein Treffpunkt könnte sie werden, an dem nicht nur Futter ausgegeben wird, sondern auch Beratung und Weiterbildung einen Platz finden. Und das finde ich einen wirklich tollen Gedanken.
Sandra Lachmann freut sich vor allem über die aktuellen Erfolge, darunter die Zusammenarbeit mit dem Tierheim Gross-Essen e. V., durch die u. a. Spenden besser auf den aktuellen Bedarf verteilt werden können. Natürlich würde die Vereinsgründung und ein eigenes Ladenlokal angestrebt, in dem die Futterlagerung vor Ort möglich wäre, aber für den Moment sei sie zufrieden mit dem, was das Team in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt habe.

Und da kann auch ich mich nur anschließen.
Bei dem Engagement und der positiven Energie, die jeder einzelne Helfer an diesem Nachmittag an den Tag legte, habe ich keinen Zweifel daran, dass die S.A.T.Tiertafel ihren Weg finden und all denen gut durchdachte Unterstützung bieten wird, die es besonders dringend brauchen.


Vielen Dank an alle Helfer, insbesondere Sandra Lachmann und Trixie von der Lippe, die meinen neugierigen Fragen Rede und Antwort standen.

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