[Männersache]

Mittwoch, August 24, 2016

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Dass Buddy ein ganzer Mann ist, das wird euch auf dem ein oder anderen Foto sicherlich nicht entgangen sein *schmunzel* Warum ich entgegen der Meinung vieler anderer Hundebesitzer der Ansicht bin, dass die Entscheidung gegen eine Kastration sehr wohl verantwortungsvoll und gut bedacht ist, davon wollen wir euch heute ein bisschen mehr erzählen.
Schon bevor der Zwerg bei uns einzog war das Thema Kastration schon das erste Mal auf dem Tisch. Eigentlich ein bisschen verrückt, bedenkt man doch, dass die Geschlechtsreife noch mindestens ein halbes Jahr entfernt war *lach* Aber so ist es in unserer heutigen Gesellschaft eben. Damals war für uns in jedem Fall schon klar, dass die von Generationen von Hundehaltern als Standardhandlung gepflegte Rüdenkastration für uns eben so gar nichts mit Standard zu tun hat und eine individuelle, gut abgewogene Entscheidung sein würde. Wenn die Zeit käme.
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Ja und irgendwann kam dann die erste Phase in der dieses Thema ernsthaft im Hause Zwerg besprochen wurde *zwinker* Nun muss ich schon gleich zu Beginn einräumen, dass Buddy bis heute definitiv zu den pflegeleichten Rüden gehört, der natürlichen einen gesunden Geschlechtstrieb hat, der mal mehr mal weniger nach ihm ruft *hust* aber keinesfalls in Extremverhalten wie tagelanges Heulen, Futterverweigerung oder das Verfolgen von Hündinnen quer durch die Stadt ausufert. Dennoch kamen wir eben immer wieder an den Punkt, an dem wir uns fragten, was das Beste für uns und vor allem für den Zwerg sei.
Während seines ersten Lebensjahres war Buddy so desinteressiert an der Damenwelt, dass wir unser Glück kaum fassen konnten. Dann, im zweiten Jahr, bemerkten wir eine doch deutliche Verhaltensänderung speziell während der Sommermonate. Buddy begann je nach Gassiroute exzessiv an Markierungen zu schlecken und schnüffelte auch mal gerne zwei, drei mal am Popo einer läufigen Hündin nach. Jedoch ließ er sich zu jedem Zeitpunkt abrufen und war sogar bereit für ein kleines Spielchen mit mir. Das wäre also alles halb so wild gewesen und für uns definitiv kein Grund einen OP Termin zu buchen. Wäre da nicht die Sache mit den Magen-Darm-Infekten gewesen, die uns schwer zu schaffen machte.

Zu jener Zeit war bei uns im Stadtgebiet nämlich ein hartnäckiger Erreger unterwegs den Buddy sich immer wieder einfing, sobald er gerade ausgeheilt war [vielleicht erinnert ihr euch noch an unsere nächtlichen Klinikbesuche]. Während eines nächtlichen Klinikbesuches wies uns ein freundlicher Arzt darauf hin, dass er seinen Rüden doch schon längst kastriert hätte und Buddy wohl immer wieder krank werden würde, wenn man das Lecken an Markierungen nicht unterbinden würde. Das gab uns das erste Mal zu denken. Immerhin war der Mann ja Arzt. Aber wäre eine Kastration wirklich die Lösung des Problems? - Wir kamen zu dem Schluss, dass es nicht so sei. Immerhin konnte ich auf unseren täglichen Gassitouren jede Menge Kastraten dabei beobachten, wie sie genüsslich an Markierungen schleckten und auch unsere Haustierärztin bestätigte meinen Verdacht, dass es sich hier zum Großteil um ein gewohntes Verhalten handle, dass kastrierte wie unkastrierte Rüden gleichermaßen ausüben würden. Mal mehr, mal weniger. Und dieses mal mehr, mal weniger in Kombination mit Gewohnheitsverhalten machte für mich klar, dass hier eine Kastration keinesfalls die Lösung sein würde. Selbst einen Kastrationschip wollten wir nicht ausprobieren.
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Und dann kam der dritte Sommer. 
Ich kann euch sagen, die letzten Monate waren wirklich anstrengend, stressig und manches Mal zum Haareraufen für mich. Dennoch ist der Zwerg nach wie vor ein intakter Rüde. -Wieso? Das will ich euch verraten.
Wie auch im Sommer zuvor wurde eine Hündin nach der anderen heiß und ihr könnt euch vorstellen, dass das hier in der Großstadt so einige sind. Nun kam in diesem Jahr hinzu, dass viele Hündinnenbesitzer es plötzlich nicht mehr einsahen, während der Läufigkeit auf geselligen Freilauf zu verzichten. Und das nicht irgendwo an abgelegenen Orten sondern ausgerechnet auf den Hundewiesen, im Stadtwald und in den Ruhrauen, wo es vor Rüden und anderen Hündinnen nur so wimmelte. Gestresste, um sich schnappende Hündinnen, rivalisierende Rüden und ein apathisch, wie ferngesteuert Duftspuren ablaufender, Buddy waren an der Tagesordnung. An sich hatte sich das Verhalten vom Zwerg nicht groß zum Vorjahr geändert, aber es war einfach too much wie man so schön sagt. 

Buddy war gestresst, ich war gestresst, das frustrierte Buddy und das wiederum frustrierte mich. Ein Kreislauf der uns zu schaffen machte und entspannte Spaziergänge zu einer Utopie werden ließ. Nach zwei Monaten war ich dann an dem Punkt, dass ich einen Beratungstermin für eine chemische Kastration bei unserer Tierärztin aufsuchte. Und der nahm eine wahrlich überraschende Wendung *zwinker* Unsere Ärztin sieht das Thema Kastration nämlich ebenso kritisch wie ich, wies mich auf die mitunter immensen Auswirkungen hin, die auf uns zukommen könnten und öffnete eine neue Tür in meinem Kopf. Sie selbst hatte nämlich eine Menge Erfahrung mit ihrem eignen Rüden gesammelt, berichtete mir von der Option mit Unterordnung den Hormonen den Kampf anzusagen und ermutigte mich, dass in unserem Fall sehr gute Chancen beständen, ohne eine Kastration ein entspanntes Hundeleben ermöglichen zu können. Im Detail kann und möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter darauf eingehen, denn das würde eindeutig den Rahmen sprengen. Nur soviel sei gesagt: Das Thema Kastration ist wieder einmal vom Tisch bei uns. Eine vorübergehende chemische Kastration mittels Chip ist eine Option die wir uns in der Hinterhand halten. Und damit bin ich wirklich glücklich. Und ich denke, der Zwerg unwissenderweise auch *schmunzel*
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Abschließend möchte ich noch einmal ganz klar betonen, dass ich keinesfalls ein Gegner von notwendigen Kastrationen bei Rüden bin. Ich selbst kenne den ein oder anderen, dessen Lebensqualität sich dadurch unglaublich verbessert hat. Jedoch bin ich strikt gegen eine gewohnheitsgemäße, standardisierte und häufig verfrühte Kastration von jungen Rüden, bei denen keine medizinische Indikation vorliegt. Leider ist dies auch heute noch in vielen Köpfen als völlig normal verankert und wird als einfache und bequeme Lösung für alle eventuell mal auftretenden hormonell bedingte Probleme gehandhabt. Und das muss sich schlicht und einfach dringend ändern. Ich kann jedem Rüdenbesitzer, der wie wir mit den ein oder anderen hormonell bedingten Schwierigkeiten zu kämpfen hat, nur raten, sich intensiv mit diesem Thema auseinander zu setzten, sich bei dem Tierarzt des Vertrauens beraten zu lassen und vielleicht erst einmal eine Kastration auf Probe alias Kastrationschip auszuprobieren. Statistiken von Veterinären zeigen nämlich, dass sich 50% der Hundehalter nach Ablauf des Chips gegen eine Kastration entscheiden.* Und das ist doch eine starke Zahl, wie ich finde.


*Quelle: http://www.tierarztpraxis-am-schlagbaum.de/hormon.php

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2 Pfotenabdrücke

  1. Ich glaube tatsächlich, dass ihr zumindest das Problem mit dem schlecken von Markierungen mit einer Kastration nicht zwangsweise beseitigen können würdet, denn wie du schon geschrieben hast, wird so etwas irgendwann zum Gewohnheitsverhalten. Genki ist ja auch intakt und ich habe ihn, so weit ich mich erinnern kann, noch nie (!) an einer Markierung schlecken sehen. (Und da bin ich auch ganz froh drüber, weil ich den Gedanken doch irgendwie ganz schön ekelhaft finde). Da ist er eher an der Markierung live in action interessiert und gerade bei seinen Hundefreundinennen Sophie und Pastora versucht er ganz dreist seinen Kopf unter ihren Popo zu schieben, während sie sich gerade lösen. Gerade bei der so viel größeren Pastora hat das auch schon Mal in unfreiwilligen Duschen geendet, was, wenn ich es mir so recht überlege, eigentlich noch ekeliger ist als das Lecken von Markierungen.
    Den Kastrationschip haben wir ja auch 2 Mal ausprobiert und bei uns gab es überhaupt keine Verhaltensveränderung. Gut, auch Genki war noch nie ein Rüde, der so wahnsinnig an der Damenwelt interessiert war. Er findet viele fremde Hunde eben immernoch doof und wenn da eine Hündin zufällig Mal läufig ist, scheint das seine Meinung auch nicht zu beeinflussen. Von daher denke ich, dass man viel weniger Verhalten über Hormone beeinflussen kann, als viele denken. Klar, wenn der Hund ein krankhafter Rammler ist, der wochenlang heult und das Essen verweigert, dann wird man da sicher eine größere Veränderung feststellen (Und dann finde ich eine Kastration auch bei einem gesunden Hund im Interesse des Hundes durchaus überlegenswert), aber wenn der Hund schon von Anfang an eher weniger Interessiert war, wie Genki oder Buddy, glaube ich auch nicht, dass sich durch eine Kasration oder einen Chip viel ändern würde.

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  2. Hallo, ich habe eine Continental Bulldoge namens Lady. Das Thema Kastration hatten wir in den letzten 2 Wochen. Wir haben uns lange darüber erkundigt, im Internet, bei Ärzten, etc. Letzen Endes haben wir es getan! War hart... Ist ein Thema das man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Dein Beitrag ist toll geschrieben und regt zum denken an. :-) LG Claudia

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