[Die nackte Wahrheit.]

Dienstag, Februar 23, 2016

Strahlend weißer Hintergrund, glänzende Augen und satte Farben - so möchte man sein Foto gerne haben. Natürlich kommt kein Bild so aus der Kamera, ob bei Profi oder Hobbyfotograf. Das Zauberwort ist Bildbearbeitung. Nun bieten die gängigen Softwares schier unendliche Möglichkeiten wenn es darum geht seine Schnappschüsse aufzuwerten. Doch schnell landet man bei einem Ergebnis, dass so fern ab der Realität ist, dass man sich fragt: Will man das?

Ich für meinen Teil bearbeite meine Fotos mittlerweile so wenig wie möglich. Dank einer guten Kamera und einem immer besseren Gefühl für die Aufnahmeeinstellungen kann ich schon mit wenigen Optimierungen das Ergebnis erreichen, dass ich haben möchte. Doch ganz auf die Bildbearbeitung verzichten möchte ich auf keinen Fall. Ich finde es ist bei jeder Fotoreihe erneut ein schmaler Grad zwischen Optimieren und Verfälschen. Heute möchte ich euch daher mal ein paar Beispiele zeigen, wie meine Fotos Out-of-Camera ausschauen und wie das Endergebnis letztlich erreicht wird. Die nackte Wahrheit eben *höhö*

Ich habe bei der Bildbearbeitung so meine Routinen je nachdem, ob es ein Zwergenfoto ist oder eine Landschaftsaufnahme, ob ein Produkt vorgestellt werden soll oder Buddy fröhlich durch die Gegend flitzt. Bis vor kurzem habe ich in den Entwicklungseinstellungen immer den Auto-Tonwert benutzt, worauf ich mittlerweile aber lieber verzichte. Meist reichen nämlich kleine, manuelle Änderungen aus. Kommen wir zum ersten Beispiel, dann lässt's sich leichter erklären *zwinker*
Hier haben wir eine typische Landschaftsaufnahme. Und ich sage euch gleich: Landschaften sind irgendwie nicht mein Ding *lach* Eigentlich war ich mit dem Foto Out-of-Camera schon sehr zufrieden. Was habe ich verändert? Ich habe als erstes die Dynamik erhöht, um etwas mehr Farbe ins Foto zu bringen. Anschließend war mir der Baum rechts im Vordergrund ein wenig zu bunt und offensiv, schließlich soll er nur einen Rahmen bilden. Also habe ich den Kontrast minimal verstärkt und gleichzeitig die Tiefen etwas runtergesetzt [also dunkler gemacht]. Dies hatte den Nebeneffekt, dass auch die Baumreihen in der Landschaft etwas satter zum Vorschein kamen. *schwupp* Fertig ist das Motiv.

Kommen wir zum Zwerg. Für Aufnahmen mit Buddy als Hauptmotiv habe ich bestimmte Voreinstellungen angelegt, denn die Erfahrung zeigt, dass ich sie in fast jedem Bild gerne nutzte. Hier kam meine Voreinstellung "+Dynamik | + Klarheit" zum Einsatz. Durch die leichte Anhebung der Dynamik wird das Bild etwas satter an Farben, aber nicht so bunt wie bei der Erhöhung von Sättigung. Entscheidender ist aber die Klarheit. Sie bewirkt, dass Konturen schärfer werden, man Details klarer erkennt und Licht&Schatten stärker von einander abgesetzt werden. An meinem Beispielbild kann man das ganz gut beobachten. Nun muss ich sagen, dass ich beide Werte standardmäßig nur um +10 [von möglichen +100] anhebe, manchmal auch weniger.  Zum Schluss gab es dann noch eine leichte Vignettierung, um den Zwerg etwas mehr in den Fokus zu rücken. *voila* fertig.

Mit Beispiel Nummer Drei wird die Sache noch etwas interessanter *zwinker* Hier haben wir ein typisches Heimstudio-Foto, dass ich vor weißem Hintergrund und mit Einsatz der Studioleuchte aufgenommen habe. Im Originalbild könnt ihr erkennen, dass unser Ausgangsfoto klar unterbelichtet war. Nun hätte ich das natürlich schon mit der Blendenverschlusszeit während der Aufnahme korrigieren können. Habe ich aber nicht *hehe* das hat den einfachen Grund, dass ich bei Innenaufnahmen gerne mindestens eine Verschlusszeit von 1/160 Sek. benutze, da sonst die leiseste Bewegung vom Zwerg zu einem unklaren Motiv führt. Daher regle ich die Belichtung lieber nachträglich. 

Nun habe ich für dieses Beispiel extra mal den Auto-Tonwert in Anspruch genommen, um euch zu verdeutlichen, wie viele Veränderungen dadurch am Bild gemacht werden. Mit dem automatischen Wert war ich allerdings nicht ganz zufrieden, denn Buddy war nicht satt genug abgebildet. Also kam wieder mein "+Dynamik|+Klarheit" Filter zum Einsatz [diesmal sogar etwas stärker *räusper*] Dann habe ich die Belichtung etwas nach unten korrigiert, denn die Automatik war mir hier viel zu hell. Durch die bessere Belichtung könnt ihr gleich sehen, dass der ehemals graue Hintergrund wieder strahlend weiß ist, wie auch in Wirklichkeit. Außerdem kommt der Glanz von Buddy's Fell, sowie das strahlen der Augen durch die Kombination +Belichtung | + Klarheit viel mehr zur Geltung. Um das Glänzen nicht zu übertreiben, habe ich die Lichter ein wenig heruntergeregelt.
Kommen wir zu einer weiteren Standard-Voreinstellung die ich sehr seeehr häufig nutze: die Farbverteilung. Oft habe ich in dem schwarzen Fell einen unerwünschten Blaustich. Nun kann man entweder den Weißabgleich wärmer machen oder aber -so wie in meiner Voreinstellung- die Blautöne um -50 verringern. Befinden sich aber blaue Objekte im Bild muss man natürlich aufpassen, damit man diese nicht völlig entsättigt *zwinker* Aber meine Farbvoreinstellung macht noch etwas anderes. Sie erhöht die Sättigung von Gelb- und Orangetönen minimal, damit das Farbschema des Zwergenfells besser zur Geltung kommt. Außerdem betont diese Veränderung oft auch Buddy's Augenfarbe, die dadurch etwas strahlender wird. *tadaaa* unser Foto ist druckreif.

Jetzt denkt vielleicht der ein oder andere, dass dies ganz schön viele Optimierungen sind *hust* Aber tatsächlich könnte man viel, viel und noch viel mehr machen. Ich könnte zum Beispiel den Kontrast noch weiter erhöhen und die Klarheit gleich mit, damit Buddy förmlich aus dem Bild springt *lach* und dann könnte ich, wenn ich schon mal dabei bin, die Augen mit einem Pinselstrich noch leuchtender machen [eine Sache von keiner Minute]. Nun könnte ich auch noch hingehen, und die schattige Stelle an seinem rechten Ohr ein wenig abwedeln, damit sie genauso gut ausgeleuchtet ist, wie der Rest des Gesichts. Alles machbar. Mal sehen... ah ja, zu guter letzt könnte ich noch den Schmodder an seinem Augenwinkel mit dem Retuschierpinsel *schwuppdiwupp* verschwinden lassen. Und schon hätten wir ein super schickes Foto, bereit für das nächste Hochglanzmagazin *höhö*
Ich für meinen Teil möchte am Ende ein Foto haben, dass so aussieht, wie ich die Wirklichkeit sehe. Denn mir geht es nicht darum, Buddy's Narbe am Ohr verschwinden zu lassen, sein goldiges Fell eher rot zu tönen oder seine Augen noch mehr strahlen zu lassen. Ich möchte am Ende des Tages ein Bild haben, dass den Zwerg genau so zeigt wie er ist: mit Schmodder im Augenwinkel und Fledderohr. Denn genau so ist er echt und das ist auch gut so.

Ich hoffe, euch hat mein kleiner Ausflug in die Bildbearbeitung nicht gelangweilt und es war vielleicht tatsächlich an der ein oder anderen Stelle interessant *lach*
Wer sich für die Bearbeitung von Hundebildern interessiert, der sollte auf jeden Fall auch auf dem Blog von Sheltie Bailey vorbeischauen und den tollen Artikel von Jasmin zu diesem Thema lesen klick! 

Falls ihr noch Fragen habt oder Anmerkungen, dann immer her damit *zwinker* 

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5 Pfotenabdrücke

  1. Oh, ich liebe solche Vorher-Nachher Posts, finde ich immer so super spannend.
    Ich glaube, bei überwiegend schwarzen Hunden kommt man um ein wenig Nachbearbeitung einfach garnicht rum. Genki und Momo haben ja nur eine schwarze Maske, aber das reicht meistens schon, damit ihre Gesichter auf unbearbeiteten Fotos zu einem einzigen schwarzen Klecks verschwimmen. :(

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    1. Stimmt, dunkle Hunde sind wesentlich schwieriger als helle! Das sehe ich immer, wenn ich die Labbibande ablichte. Beim Blonden muss man nicht viel korrigieren, beim Schwatten hingegen sieht man bei den gleichen Lichtverhältnissen mit Glück mal die Augen hervorstechen.... Alles andere ist einfach nur tiefschwarz *lach*

      Lieben Gruß!

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  2. wuff wuff


    Frauchen fand den Beitrag sehr interessant *nick*

    Grade wir schwarzen Hunde sind ja nicht immer einfach zu fotografieren, da verzweifelt Frauchen oft. ICH hoffe, das Frauchen von dem beitrag etwas gelernt hat und meine Bilder in Zukunft optimaler vorgestellt werden....

    schlabberGrüße von Shila

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    1. Das freut mich zu hören!
      Und wen meine Tipps dann noch weiterhelfen sollten, umso mehr :-)
      Was bei dunklen Gesichtern auch hilfreich ist, ist die Belichtungsmessung bei der Kamera auf Spotmessung einzustellen.

      Liebste Grüße!

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  3. Toller Beitrag! Und vielen dank für die Verlinkung :)
    Ich finde das Foto mit dem gelben Schal einfach genial. Das ist so süß und das hast du einwandfrei bearbeitet. Es sieht wie aus einem Studio aus.

    LG

    Jasmin

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