"Putzig, wie der sich in sein Geschirr hängt!"

Sätze wie diesen hören wir öfter.
Und mir wird klar, es ist höchste Zeit an unseren Baustellen zu arbeiten - denn putzig finde ich das Gezerre am Geschirr (geschweige denn am Halsband) so gar nicht.












Kleine Hunde werden anders wahrgenommen. 
Da Buddy der erst Zwerg für mich ist, fällt mir das täglich auf.
Käme Duncan, als schwarzer Labbi mit 35kg+, bellend auf zwei Spaziergänger zugestürmt, will ich mir die Reaktionen gar nicht ausmalen. Hinge er in der Leine und zöge mich hinter sich her würde vermutlich niemand sagen "wie putzig!" und würde er 20 Meter vorstromern und einfach auf alle fremden Hunde zulaufen, wäre er "schlecht erzogen" und ich "verantwortungslos". 
Aber der süße kleine Buddy *hust* mit seinen Kulleraugen und knappen 7kg, ist "putzig", "souverän", "wunderbar mutig" und "so toll selbstbewusst" -ja wir bekommen jeden Tag viele Komplimente für Dinge, die ich absolut nicht lobenswert finde.

{Rückblick}
Als der Zwerg zu uns kam war er unsicher und ängstlich. Sobald wir vor die Tür gingen brach die furchtbare Aussenwelt über ihm zusammen. Fremde Menschen versetzten ihn in Panik, andere Hunde ebenso. Außerdem die Mülltonnen, der Wind in den Bäumen und ein herumwehendes Laubblatt. Er schaffte es, sich auf jedem Geschirr zu winden und Richtung Haustür zu rennen. Egal wie weit die entfernt war.
Also trainierten wir. Wir bauten Vertrauen auf, damit er mich als sicheren Partner ansah, wir gingen die Straße auf und ab, bei jedem Mensch und jedem Hund wurde er nach hinten geordnet und vorbeigeführt... zwei Monate lang.


Und es funktionierte *yay* Nach kurzer Zeit beschnüffelte er sich mit fremden Hunden, wollte im Freilauf nicht mehr auf den Arm, sondern lief ein paar Meter voraus - wir waren zufrieden.
Mit 6 Monaten war Buddy souverän und selbstbewusst, vertrug sich mit jedem und ging Streit aus dem Weg. Dann kam die Pubertät -und die Schleppleine.
War am Horizont ein anderer Hund zu sehen, wurden aus den 5 Metern Vorlaufen 500 Meter. Rückruf Fehlanzeige. Er hielt keinen Sichtkontakt mehr, folgte anderen Hunden halbe Spaziergänge lang, ging einmal verloren (die schlimmsten Minuten überhaupt)....
Wir liefen nur noch mit 10m-Schleppleine, Rückruf wurde trainiert, Blickkontakt wurde trainiert.
Und einige Monate später konnte ich den Zwerg wieder ableinen. Wunderbar.

{Und Heute...}
Doch in letzter Zeit bin ich unzufrieden. Je nach Situation hängt Buddy buchstäblich in der Leine und rennt sogar dagegen an, wenn er irgendwo ganz dringend schnüffeln will. Und auf einmal überlegte ich, dass ein gemeinsamer Spaziergang doch eigentlich nichts Gemeinsames hat, wenn Hund 10 Meter vor einem läuft und für sich herumschnuffelt und Mensch allein hinterherdackelt.
Am letzten Samstag war das Maß dann voll. *tief einatme*
Wir wollten einen schönen Spaziergang mit Herrchen am Wolfssee machen, doch Buddy rannte permanent vor, lief zu angeleinten Hunden und nahm mich überhaupt nicht wahr.
Also leinte ich ihn an. Und er rannte weiter. Rannte ins Geschirr wie ein Wahnsinniger. So spannende Gerüche.
Aus dem einstündigen Spaziergang wurden also 2 Stunden, denn wir blieben nach gutem, alten Leinenführigkeitstraining bei jedem Ziehen stehen. Zurück am Auto waren wir alle erledigt, aber ich war vor allem froh, dass ich aus dem Quark gekommen bin. *tief ausatme*
Seit Samstag ist also wieder Training angesagt. Wir ziehen *haha* die Leinenfühigkeitsübungen durch und im Freilauf wird regelmäßig herangerufen, Platz und Sitz geübt und gemeinsam mit Ball und Spiely gespielt.


Gestern Abend waren wir mit Duncan und Benny spazieren.
An der Leine lief Buddy den gesamten Rückweg bei Fuss, offline kam er regelmäßig wedelnd zu mir zurückgeflitzt und wollte einen Kuschel haben oder mich einfach nur anstubsen.
Ich glaube wir sind auf dem richtigen Weg.


Alles Liebe,
Buddy's Frauchen







Kommentare

  1. Super, wie ihr das so schnell wieder gemeistert habt. Aber da zeigt sich doch wieder, dass man immer weiter arbeiten muss. Leider erkennen das viele nicht, drei Wochen Welpenstunde, drei Wochen Hundeschule und das war es leider oft für den Rest des Hundelebens. Schön, dass ihr da eine Ausnahme seid und auch bzw. gerade kleine Hunde gehören erzogen.

    Liebe Grüße

    Britta & Chris

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  2. Guten morgen ihr Beiden,
    euer Ansatz klingt ja wirklich super!
    So von Pinscherfrauchen zu Pinscherfrauchen kann ich dir aber verraten, dass denen die Leinenführigkeit nicht gerade angeboren wurde. Jemand wollte mir auch mal glatt weismachen, dass Dobermänner aufgrund ihrer Triebstärke gar nicht leinenführig werden könnten. *hust* Das stimmt natürlich auch nicht.
    Aber mit dem klassischen Stehenbleiben beim Ziehen oder Richtungswechseln komme ich bei Abra nicht weiter, wenn sie im "Abenteuermodus" ist. Oft macht es auch die Präzenz, die man selbst ausstrahlt am Ende der Leine.
    Ihr werdet das schon hinkriegen und ich freue mich darüber, dass du dir die Mühe machst, obwohl Buddy so klein ist. Tatsächlich meinen viele Leute, dass die Kleinen nicht erzogen werden bräuchten. Aber wehe, wenn so ein kleiner Abenteurer mal zu einem unverträglichen Hund an der Leine geflitzt kommt und der sich zur Wehr setzen würde - oh oh...
    Liebe Grüße,
    Mara und Abra

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  3. Ich finde es auch super, wenn sich die Besitzer von kleinen Hunden ebenfalls Gedanken zur Erziehung machen. Wenn ich mit Lilly unterwegs bin, finde ich es genauso Banane, wenn ein Zwerg auf uns zugerannt kommt oder ein Großer. Außerdem tut es dem "Kleinen" ja auch nicht gut, wenn er in der Leine hängt. Euer Ansatz hört sich auf jeden Fall prima an und ich bin mir sicher, dass ihr das hinbekommt :-)

    Liebste Grüße

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  4. Das macht ihr wirklich toll!!! Da sieht man wieder einmal, dass Hundeerziehung ein Lebenlang gilt. Bei Charly müssen wir auch immer dran bleiben. Mal funktioniert es besser und dann wieder benimmt er sich, als hätte er von Leinenführigkeit noch niiiiie etwas gehört.

    Liebe Grüße
    Sonja und Charly

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  5. Klaro, ist das ratzfatz schnellstens wieder installiert, das Leinenführigkeitsprogramm. Pinscher sind doch sowas von schlau, aber sowas von... ;)

    LG Andrea und Linda

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  6. Ein sehr gelungener Beitrag….Putzig ist in der Hundeerziehung wenig. Wir finden Deine Einstellung toll.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  7. Ich finde es klasse, dass ihr was macht und nicht dem "ach die kleinen sind ja so süß und müssen gar nicht erzogen werden" hingebt. Macht weiter so! Ich bin gespannt wie es bei euch weiter geht!

    Schlabbergrüße Bonjo

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  8. Man muss die Dinge nur erkennen und daran arbeiten - und das macht ihr! Und wenn das Training so schnell Früchte trägt, weißt du ja, dass du auf dem richtigen Weg bist! Wir finden es gut, dass ihr trainiert und eure Baustellen erkennt. Wie ihr wisst, haben wir auch genug davon und hier muss auch eben trainiert werden. Ob groß oder klein ;)
    Freche und liebe Grüße
    Joko und Frauchen!

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  9. Großes Lob an Euch, dass ihr Euch Gedanken zur Erziehung Eures "kleinen" Hundes macht, Eure Baustellen erkennt und daran konsequent arbeitet.
    Denn du hast vollkommen Recht, würde das Verhalten bei einem großen Hund auftreten, wäre das alles andere als putzig und sicher doppelt anstrengend.
    Aus der eigenen Familie kenne ich solche Diskussionen und Vergleiche zu Genüge. Wenn der kleine Rehpinscher von Herrchens Bruder die Waden hochspringt, ist das mega goldig. Wenn Milo mit seinen 32kg hochspringt, ist er ungezogen und alle sind geschockt und empört. Sehr witzig solche Vergleiche und Sprüche, aus denen ich mir schon lange nichts mehr mache.
    Auch ein kleiner Hund ist ein Hund und braucht seine Regeln und Grenzen, egal ob er einfacher "zu handeln" ist als ein Kraftpaket mit über 30kg. Leider sehen das nicht viele so :(

    Wir wünschen Euch viel Erfolg und Kraft für Euer Training weiterhin
    Gepunktete Grüße
    Katharina mit Milo (die ähnliche Baustellen bei Milo haben)

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  10. Diese Phase machen wir mit Luna auch gerade mal wieder durch. Sie interessiert sich kaum noch für den Zweibeiner hinter ihr - außer dieser hat ein Spielzeug in der Hand - und sonst rennt sie einfach nur noch vorne weg. Aus dem "Flüstern" um sie zu rufen, ist ein "Schrei" geworden um Ihre Aufmerksamkeit zu erlangen. Diese Phasen sind teils schon frustrierend, aber die legen sich, mit intensivem Training relativ schnell wieder.

    Ich mag es auch nicht, wenn die Hunde an der Leine ziehen. "Bei Fuß" soll bei uns der Normalfall sein, denn mich persönlich nervt nichts mehr, als wenn der/die Hund/e an der Leine ziehen, während man z.B. nach dem Einkaufen mit vollen Händen versucht nach Hause zu laufen.

    Ein Hund braucht Erziehung - egal ob groß oder klein. Leider machen sich darüber - so scheint es mir - nicht viele Hundebesitzer kleiner Rassen, Gedanken. Gerade bei Terriern ist liebevolle Konsequenz, das A & O.
    Ihr bekommt das wieder hin! So toll, wie ihr als Team funktioniert!

    LG Jérôme

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